Samstag, 1. Januar 1983

1983 Ammerschwihr / Elsass

Oh diese Hitze !

Das war der oftmalige Ausruf, der in den drei Wochen zu höhren war. Entgegen aller bisherigen Erfahrungen hatte der Sommer es sehr gut mit uns gemeint, so gut, dass wir schon nach den ersten Tagen überlegt, wann wir wohl hitzegeschädigt seien. Doch wir haben es gut überstanden.
Es gab auch einige Möglichkeiten, die uns die Hitze leichter ertragen ließen. Neben den Schwimmbadbesuchen, den Möglichkeiten zu Duschen und den LuMa-Ralleys im Bach, waren es die zahllosen Wasserschlachten auf dem Platz, zu denen immer jemand das Startsignal gab.
Ja und dann? Braun wie die Neger, wie sonst wohl nur nach drei Wochen Afrika tauchten wir in Köln wieder auf.

Die heiße Nacht!

Der vorausgegangene Bericht läßt vermuten, dass in den drei Wochen kein Tropfen Regen gefallen ist. Doch den muss der nun folgende Bericht entgegengehalten werden.
Es geschah am ersten Sonntag. Wir saßen noch am Lagerfeuer, da braute sich was zusammen. Peschschwarze Wolekn zogen auf. In Windeseile gaben wir Verhaltensmaßregeln für den ersten Regen, beschlossen den Kreis und schickten alle in die Zelte. Alle Zelte waren gerade dicht, da gings los. Ein Gewitter brach über uns herein. Der Regen schüttete nur so auf den Platz, dass wir Angst um unsere Zelte bekamen. Wir raus aus der Leiter und begannen, um die gefärdetsten Zelte Gräben zu ziehen. Es donnerte, kracht und blitzte dermaßen, dass jemand den Satz prägte: "Auf dem Platz komme ich mir vor, als würde Petrus von mir Passfotos machen !"
Nach einer Stunde war alles vorbei, Bilanz: Wir waren nass bis auf die Haut und in drei Zelten hieß es "Land unter". Die wurden aber in der Nacht noch trocken gelegt. Die Sonne am nächsten Tag besorgte den Rest.

Der W(Z)eltuntergang oder wie man auf dem Zeltplatz sein Freischwimmerzeugnis ablegt

Mitternacht-12 Glockenschläge von den umliegenden Dorfkirchen. Dann weiter Schläge, aber keine Glocken sondern Donner. Donner, der selbst Tote hätte aufwecken können. Bruchteile von Sekunden danach kam der Blitz. Ach was BLITZE. Wir waren gefangen. Eine schreckliche Situation. Gefangen im Zentrum dreier mächtiger Gewitter. Sturm brauste auf, so laut, dass man sein eigenes Wort kaum verstehen konnte. Denn der Regen, 5 Mark Stück große Wassertropfen hämmerten auf die Zeltwände.
Da! Der erste Entsetzensschrei.
Ein triefend nasser Hilfstrupp vom St.John Hilfsdienst zog um die am ärgsten unterspülten Zelte Gräben.
Leinen wurden nachgespannt.
Heringe wurden neu ins Erdreich getrieben.
Da kamen auch schon die ersten "Verletzten". (Einige hätten doch tatsächlich nasse Füße bekommen!)
Sie wurden vom Hilfstrupp in trockenere Gefilde gebracht.
Wieder Blitz und Donner. Der Sturm wehte das erste Vordach fort. Und der Blitz war so hell, dass man glaubte in ein Blitzlicht zu schauen. Immer wieder klangen gellende, herzzerreißende Schreie über den Platz. Doch die Hilfstrupps arbeiteten wie besessen.
Plötzlich, als wäre alles ein böser Traum gewesen-Ruhe.
Eine unheimliche Ruhe. Der Himmel war mit Millionen von glitzenden Sternen übersät. Die Hilfstrupps legten ihre durchnässten Sachen ab und die Verletzten zogen sich in ihre bereits wieder trockenen Gemächer zurück.
Es war geschafft.
Norbert Campmann
(Oberhilfswart für abgesoffene Zelte)





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